07.08.2009: Einschulung der FünftklässlerInnen

Rede von Pastor Funke:

Am Abend jenes Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: 

"Kommt, wir fahren zum anderen Ufer hinüber!" 

Die Jünger ... stiegen sie ins Boot, in dem Jesus noch saß, und fuhren los. Da kam ein schwerer Sturm auf, so dass die Wellen ins Boot schlugen. Das Boot füllte sich schon mit Wasser. (Mk 4,35-37)
  

Liebe Fünftklässler!

Die Realschule ist auch so ein Boot wie in der Geschichte von Jesus. Und ab heute sitzt ihr drin in diesem Boot Realschule. Wie geht es euch da drin?

Von hinten bläst ganz viel guter Wind gegen das Boot, z.B. der sogenannte stolze Wind. „Jetzt seid ihr nicht mehr die kleinen Babykinder von der Grundschule, sondern Realschüler“ saust der stolze Wind und treibt euch voran – ein gutes Gefühl. Auch der sogenannte frische Wind weht von hinten: „Haach, endlich andere Luft, neue Schule, neues Gebäude, neue Bücher, neue Fächer …. aah! Frischer Wind!“ 

Der stolze Wind und der frische Wind machen euch ein gutes Gefühl.

  
Aber auch von der Seite sausen kräftige Winde gegen euer Boot , die es ins Wanken bringen - z.B. der sogenannte Gruppenwind: 

„Was sind das bloß für Leute, mit denen du in der Klasse zusammen sein wirst?“, fragt der Gruppenwind. 

„Die kenn ich noch gar nicht. Werden die dich auch akzeptieren, oder wollen die dich ausbooten?“ 

Von der Seite peitscht auch der Leistungswind gegen die Reling. 

„Hui, jetzt wird es schwerer,“ sagt der Leistungswind. „Die ganz Schwachen sind jetzt nicht mehr dabei und du musst richtig gut sein. Werden deine Noten ausreichen?“ 

Und auch der Lehrerwind pustet da noch von der Seite gegen euer Boot und bringt es zum Schaukeln. 

„Wie wird dein Klassenlehrer sein?“, braust der Wind „Wird der dich ebenso mögen wie deine Lehrerin in der vierten? Und dein Lehrer in Mathe, wo du so schlecht bist? Hat der genug Geduld für dich, um dir alles zu erklären, oder zuckt der nur mit den Schultern, wenn du was nicht kapierst!“ 

Der Gruppenwind, der Leistungswind und der Lehrerwind bringen das Boot ganz schön ins Wanken und ihr kriegt ein unsicheres Gefühl. Werdet ihr auf dem Boot bleiben oder womöglich über Bord gehen, wenn es zu sehr schaukelt?

Jesus aber lag hinten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Da weckten die Jünger ihn und sprachen: 

"Kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?" Jesus stand auf, sprach ein Machtwort zu dem Sturm und befahl dem tobenden See: "Schweig! Sei still!" Da legte sich der Wind und es wurde ganz still. "Warum habt ihr solche Angst?", fragte Jesus. "Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?" (Mk 4,38-40)
Jesus hat ein ganz großes Vertrauen. Er glaubt nämlich ganz fest: Das Boot, in dem er ist, ist nicht sich selbst überlassen, sondern wird gesteuert – von Gott, seinem Vater. Jesus weiß nicht, wohin sein Vater das Boot steuert, aber er weiß doch, dass er es steuert, und das Allerwichtigste ist: Er hat Gutes mit ihm vor.

"Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?" Ich wünsche euch, dass ihr euch diese Frage auch stellt, wenn euch der Seitenwind mal zu stark wird – und dass ihr die Frage beantworten könnt mit 

„Doch! Ich habe Vertrauen. Gott lenkt auch das Boot Realschule und hat auch mit mir Gutes vor!“ 

Diese gute Zusage, dieses Versprechen soll euch in euer neues Schuljahr begleiten, damit ihr es mit einem guten Gefühl und mit Vertrauen angehen könnt wie Jesus. „Vertrauen“ heißt das Machtwort, dass ihr dem Sturm entgegen rufen könnt, der mit seinen Winden gegen euer Boot bläst. 

Dann geht es euch so wie Jesus. Mit seinem Vertrauen in Gott kommen ihm die Winde gar nicht so gefährlich vor wie den Jüngern, und er bleibt ganz gelassen und ruhig. Das wünsche ich euch auch!
Amen.